MGV 1872 Lautzert e.V.

Nur rund 150 Einwohner zählte das Westerwalddörfchen Lautzert im Jahre 1872, als eine kleine Schar sangesfreudiger Männer den Gesangverein MGV Concordia Lautzert gründeten, dessen Leitspruch lautete: „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen“. Damit war der Grundstein gelegt für den ältesten Gesangverein in der Verbandsgemeinde Puderbach. Maßgeblichen Einfluss dürfte dabei die Bereitschaft des Lehrers Dörrenberg gehabt haben, der Dirigent des jungen Chores wurde.

Sein Nachfolger, Lehrer Kalbeitzer, übernahm 1878 die musikalische Leitung des Vereins. Ihm blieb es vergönnt, über vier Jahrzehnte hinaus erfolgreich in diesem Amt zu wirken. Es sei hier festgehalten, dass der Männergesangverein sich schon in dieser Zeit den Belangen des Dorfes gewidmet hat. So wurden u.a. beim Einzug der Pfarrer Johann Adolf zur Nieden, Hermann Graf und Julius Reinhard Bonnet in den Jahren 1884, 1890 und 1903 Begrüßungslieder gesungen, und auch bei Weihnachtsfeiern der Schulkinder beteiligten sich die Sänger mit Liedvorträgen und Geldspenden. Hieraus erklärt sich wohl auch die Beteiligung der Dorfgemeinschaft bei der Beschaffung einer Vereinsfahne, die im Jahre 1892 geweiht werden konnten.

Nach den Wirren des 1. Weltkrieges und der Pensionierung Lehrer Kalbeitzers übernahm 1921 der nach hier versetzte Lehrer Möller den Dirigentenstab.

Sein Nachfolger wurde im Jahre 1927 Lehrer Oswald Köhler, dem es vergönnt war, bis zum Jahre 1967 den Verein zu führen. Unter seiner Leitung erlebte der MGV Lautzert einen großen Aufschwung. Schade, dass ein weiterer Krieg viele Hoffnungen begrub.

Aber nach den schlimmen Jahres des 2. Weltkrieges –auch der Heimatort Lautzert wurde durch Bomben schwer heimgesucht- fanden sich die Sänger wieder zusammen, um dem deutschen Liede zu dienen. Leider war ein Teil der Sangesbrüder im Krieg gefallen, andere befanden sich noch in Gefangenschaft. So fand man sich erst im gemischten Chor zusammen. Vornehmste Aufgabe war es dabei, den aus Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Männern des Dorfes in der Heimat einen Willkommensgruß zu entbieten. Heimkehrer und Nachwuchssänger ermöglichten aber schon im Jahre 1949 die aktive Tätigkeit als Männerchor. Am 16.04.1949 versammelten sich im Vereinslokal Schumacher neben Lehrer Köhler 29 Sangesfreunde. Der an diesem Tag gewählte neue Vorstand war wie folgt besetzt:

1. Vorsitzender Robert Hering. 2. Vorsitzender Werner Hering. Schriftführer Willi Geyer, Kassenwart Ewald Graß, Notenwart Erhard Ascheidt. Schon nach wenigen Chorproben besuchten die Sänger im selben Jahr noch die ersten Feste der Nachbarvereine.

Die durch Kriegseinwirkung unbrauchbar gewordene Vereinsfahne konnte durch eine neue Fahne ersetzt werden, die beim 85. Stiftungsfest am 27.07.1957 durch den Vorsitzenden des Sängerbundes Neuwied, Herrn Cornelius Zimmermann geweiht wurde. Für seine 30-jährige Tätigkeit als Chorleiter wurde am gleichen Tage Herrn Köhler vom Deutschen Sängerbund die goldene Dirigentennadel überreicht. 

Lehrer Köhler konnte bei seiner Pensionierung und dem Wegzug aus dem Ort im Jahre 1967 nach Niederbieber auf eine 40-jährige Dirigententätigkeit im Verein zurückblicken. 

Zur Freude des Vereins übernahm bald darauf Lehrer Günter Hoffmann aus Oberdreis seine Nachfolge als Chorleiter des Vereins. 

Der Kreissängertag 1968 war für einige Mitglieder unseres Vereins ein Ehrentag. Karl Seiler und Willi Schumacher I erhielten für 50 Jahre Chorgesang die Goldene Ehrennadel mit Diplom. Erwin Kunz wurde für 40 Jahre die Goldene Ehrennadel überreicht. Kurt Leiskau und Ewald Graß erhielten für 25 Jahre die Auszeichnung in Silber. 1968 und 1970 feierten die Sänger mit der Spielvereinigung Lautzert / Oberdreis, drei Tage lang ein kombiniertes Sport- und Sängerfest. 1969 wurde Werner Hering (Gold) und Willi Geyer und Franz Porsche die Ehrung in Silber zu Teil. 

Für sein hundertjähriges Bestehen und die in dieser langen Zeit erworbenen Verdienste um das deutsche Lied durfte der MGV 1872 Lautzert im Jahre 1972 voller Stolz die vom Bundespräsidenten vergebene hohe Auszeichnung in Form der „Zelter-Plakette“ entgegennehmen. Die Verleihung fand am 12.03.1972 im Badischen Staatstheater in Karlsruhe statt. Die Festtage begannen jeweils mit Umzügen durch das mit Girlanden und blau/weißen Fähnchen geschmückte Dorf. Zahlreiche Glückwünsche wurden überbracht. Dabei auch Landrat Oster, der vorab das Ergebnis über die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ unter dem Beifall der Festbesucher mitteilte. Es gratulierten die Herren Zimmermann und Klein vom Kreissängerbund, Verbandsbürgermeister Hans Velten und Ortsbürgermeister Wilhelm Schneider. Der Vorsitzende Erich Schmuck nahm dieses Fest zum Anlass langjährigen verdienten Mitgliedern zu danken und sie mit der Ehrennadel auszuzeichnen. Dies waren: Heinz Arnold, Erhard Ascheidt, Alfred Hering, Hans Hülpüsch und Heinz Schumacher in Silber, die goldene Auszeichnungen gingen an Friedrich Hering und Julius Hülpüsch. An den Festtagen nahmen 25 Chöre teil. Das große Zeltfest wurde auf den Dorfwiesen am Ortsausgang Lautzert (heute bebaut von Michael Abresch, Walter u. Eckhard Hoffmann) Richtung Berod gefeiert. 

Das letzte große Zeltfest fand 1982 anl. des 110 jährigen Jubiläums am Kaisergarten statt. Da ein allgemeiner Abstiegstrend von allen großen Zeltfesten zu verzeichnen war, dient nun in den nachfolgenden Jahren das Bürgerhaus als Heimstätte für Feste und Chorproben. 1987 erhielten anl. des Kreissängertages in Neuwied, Alfred Hering, Erhard Ascheidt, Hans Hülpüsch und Heinz Schumacher die Goldene Ehrennadel für 40 Jahre aktive Sängertätigkeit. 1989 ein Jahr für weitere Ehrungen. die Goldene Ehrennadel erhielten Adolf Blümel, Karl-Heinz Thiel, Johannes Schmitz und Kurt Müller. Gerhard Lütsch wurde mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.

Nach dem plötzlichen Tod unseres Chorleiters Günter Hoffmann am 29.04.1989, der die Geschicke des Vereines 22 Jahre führte, war es schwer in der heutigen Zeit einen Chorleiter zu finden. Die mühsame Suche nach einem Nachfolger konnte schon einige Wochen später erfolgreich beendet werden. Mit dem erst 22 jährigen Matthias Becker aus Altenkirchen hatte unser Verein den jüngsten Dirigenten der Vereinsgeschichte verpflichtet. In der Jahreshauptversammlung 1990 wird beschlossen das Rauchen während der Übungsstunde zu unterlassen. Der Vorsitzende Heinz-Werner Thiel will versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. 1992 feiert der MGV sein 120 jähriges Bestehen im Bürgerhaus Lautzert. Dem persönlichen Einsatz sowie die Fähigkeit des neuen Dirigenten, die Sänger zu immer besseren Leistungen zu bewegen, veranstaltete der MGV Lautzert am 26.04.1997 ein gemeinschaftliches Konzert in Puderbach der beiden von Matthias Becker geleiteten Chöre MGV 1872 Lautzert und MGV Niederhonnefeld-Ellingen. Dazu kam der Posaunenchor Urbach sowie der von Frau Uta Becker geleitete MGV Obernau. Sicherlich war diese Veranstaltung einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte und ein gelungener Auftakt im Jubiläumsjahr 1997. Anlässlich dieses Jubiläums wurden folgende Ehrungen vorgenommen: Die Silberne Ehrennadel für 25 Jahre aktives Singen erhielt Eckhard Hoffmann. Die Goldene Ehrennadel mit Diplom für 50 Jahre erhielten Hans Hülpüsch sowie Heinz Schumacher. Als Ehrenmitglieder wurden Manfred Lück und Gerhard Lütsch ernannt.

Dass sich der MGV nicht nur dem Singen hingibt, sehen wir auch darin, dass das zu klein gewordene Dorfgemeinschaftshaus seit 1996 in vielen Stunden der Freizeit durch einen ganzen Bautrakt erweitert wurde und das gesamte Haus einen neuen Anstrich bekam. Es muss hier hervor gehoben werden, dass alle Arbeiten und Leistungen in Eigenregie durchgeführt wurden, wobei lediglich die Baumaterialien durch die finanziell angeschlagene Gemeinde übernommen wurden. Hier zeigt sich mal wieder der ausgeprägte dörfliche Gemeinschaftssinn. So konnte das 125jährige Geburtstagsfest in neueren und größeren Räumen am 26. bis 28.09.1997 begangen werden. Die Goldene Ehrennadel mit Diplom für 50 Jahre erhielt im Mai 2001 Walter Hoffmann.

Der MGV und eine Frau. Ja sie lesen richtig. Seit 1965 schreibt Elisabeth Leiskau nicht nur so alles auf was im Dörfle passiert, nein, sie führt auch penibel und mit größter Genauigkeit unsere Vereinschronik. Es muss hier erwähnt werden, dass unsere sehr alte Chronik durch das damals schlechte Papier und durch säurehaltige Tinte im Bestand beschädigt war. Dieses schöne sehr dicke Buch, hätte Seite f. Seite konserviert werden müssen, was allerdings den finanziellen Rahmen des Vereins sprengte. So entschloss sich Elisabeth, die auch noch die alten Schriften lesen konnte, das Buch handschriftlich Wort für Wort mit Spezialtinte in ein neues Buch zu übernehmen. Zum Ende des Jahres 2004 legte Elisabeth nach 30 Jahren aus gesundheitlichen Gründen ihren „Schreibdienst“ nieder. Ein neuer Schreiber war schnell gefunden. Lothar Riegel wurde auf der Jahreshauptversammlung am 21.01.2004 ausgeguckt. Er wehrte mit Händen und Armen ab, was die Mitgliederversammlung aber als ein zustimmendes Kopfnicken ansah. So schnell wird man in Lautzert Chronikführer. An diesem Abend gab es einen weiteren Ämtertausch. Der bisherige zweite Mann im MGV Vorstand, Oliver Leicher, wurde zu ersten Vorsitzenden gewählt. Dafür kam der bisherige „Chef“, Heinz Werner Thiel, der das Amt 19 Jahre lang hervorragend führte ins Amt des Stellvertreters. 

Im Jahre 2004 hatten wir uns vorgenommen vom 10. – 12.09. noch mal ein großes Sängerfest auszurichten. Alle Vorbereitungen waren getroffen als uns plötzlich die Nachricht ereilte, dass unser und über die Grenzen hinaus bekannter Chorleiter von fünf Männerchören und stellvertr. Kreischorleiter Matthias Becker, am 27.08.2004 im Alter von nur 37 Jahren plötzlich verstarb. Obwohl wir schon viele Verpflichtungen eingegangen waren und Verträge abgeschlossen hatten, war es für uns selbstverständlich dass das Fest nicht stattfinden konnte. So beschloss man die Feierlichkeiten ins Jahr 2005 zu verschieben. In den 15 Jahren ist durch Matthias Becker ein Chor entstanden der sich über die Nachbarchorgrenzen, auch durch die von ihm durchgeführten weltlichen und kirchlichen Konzerte, ein Namen gemacht hat. Die Suche nach einem guten und bezahlbaren Chorleiter –ein Chor der ohne Spenden und Zuschüsse auskommen muss- fanden wir in Dietmar Löffler aus Dierdorf-Giershofen. Nach einem viertel Jahr Probezeit wurde am 24.03.2005 nach einem großen Rippchenessen des MGV zur vorgerückter alkoholisierter Stunde an der Theke der Gaststätte Schumacher per Handschlag der neue Chorleiter verpflichtet. So macht man in Lautzert Verträge. 

Neben der Pflege des deutschen Liedgutes fühlt sich der Verein stets verpflichtet, die Verbindung zu allen Bürgern des Dorfes und zu befreundeten Chören aus der Nachbarschaft zu erhalten und neu zu beleben. Das zeigen die vielen geselligen Veranstaltungen, die Zahl der besuchten Sängerfeste, die Beteiligungen an Feierstunden der Gemeinde und der Kirchengemeinde, sowie die zahlreichen Ständchen zu Ehren von Hochzeitspaaren und hochbetagten Mitbürgern. 

An dieser Stelle sei auch einmal der Männer gedacht, die in uneigennütziger Weise als Mitglied des Vorstandes ihre Zeit und Kraft dem Verein zur Verfügung stellen, immer darauf bedacht, ihn zu erhalten, zu festigen und zu fördern.

In der Zeit seit dem I. Weltkrieg führten den Vorsitz:

  • Heinrich Schneider 
  • Karl Schmuck
  • Wilhelm Fischer
  • Robert Hering 1949 bis 1950
  • Heinz Arnold 1951 bis 1953
  • Erich Schmuck 1954 bis 1977
  • Hans Hülpüsch 1978 bis 1985
  • Thiel Heinz W. 1986 bis 2004
  • Oliver Leicher seit 2005

Dass wir Lautzerter auch heute noch gerne feiern ist in den benachbarten Dörfern seit jeher bekannt. Nicht umsonst steht sogar im Heimatjahrbuch 2002 des Landkreises Altenkirchen über dörfliche Spitznamen der vergangenen Jahrhunderte, u.a. "...den Lautzerter wird Verschwendungssucht und Schuldenmacherei nachgesagt". Und dazu gab es den Vierzeiler: 

Lautzert, Lautzert, du armes Nest,
mächst doch jedes Johr en Sängerfest.
Die Mäntel, Hööt un Umhangsdööcher,
stohn enn Ahlekirjen en de Böcher.